Sonntag, 27. Februar 2011

Stuttgart Teil 4 (14.-16. Februar 2011) Es wird nicht besser



Montag, 14. Februar 2011:
Happy Birthday, Paul! Alles erdenklich Gute zum 3. Geburtstag...
Und nun zurück zum Ernst des Lebens: Ich hatte mal wieder einen Besuch beim Prof offen und saß mit meiner Akte auf'm Flur und wartete so vor mich hin, als ich mir dachte, ich könnte ja mal meine Akte durchforsten. Da ich ja nicht schon genug Sorgen hatte, kam eine Bemerkung der Radiologie über einen auffälligen Lymphknoten in der linken Achsel grade Recht. Da bin ich echt wütend geworden und als der Prof mich reinholte, sprach ich ihn darauf an. Er war ganz verdutzt und meinte, er wüsste von nix. Suuuper... mein behandelnder Arzt vor Ort hat keinen Schimmer, was bei mir so los ist, das ist wie ein Sechser im Lotto, wenn man den verdammten Tippschein verloren hat. Er setzte sich mit dem Strahlemann von der Radiologie (Wortwitz) in Verbindung und konnte dann glücklicherweise so'ne halbe Entwarnung geben: der Lymphknoten wäre zwar auffällig groß, zeigte im MRT aber keine auffällige Kontrastmittelaufnahme. Also muss der nur beobachtet werden, nichts Dramatisches.
Dann brachte ich die Beule an meinem Hals zur Sprache und er eröffnete mir frei heraus, dass das eine Sache der Rostocker wäre und er in Stuttgart nichts weiter daran machen würde. Gut, dass ich mich nicht mit meinem Problem allein gelassen fühlte.
Nachmittags ging ich dann runter zur Kasse, um das Internet verlängern zu lassen. Zu meinem große Glück war die Kasse geschlossen. Öffnungszeit: von 8-12 Uhr. Verarschen? Tut mir ehrlich Leid, wenn ich mittlerweile leicht aggressiv wirke, ich weiß auch nicht, woher das kommt... Ich habe mir dann, wo ich ja schonmal unten war, ein Eis gekauft - Frustessen. Dann kam mir der Gedanke, dass die Thekendame ja vielleicht auch gewisse Macht über das Internet haben könnte und ich ging hin, um nachzufragen, als der Internetmensch grade hinter meinem Rücken langschlich. Ich bestellte eine Internetverlängerung und er wollte mir weitere 15(!) Euro für sieben Tage abknöpfen. Da tat ich ein wenig naiv und sagte ihm, ich würde aber nur noch fünf Tage bleiben, das wäre ja blöd. Muhahaha... ich bekam Internet für 10 Euro, ich böses Mädchen.
Auf dem Weg nach oben traf ich dann den unglaublich einfühlsamen Arzt des vorangegangenen Abends *hust*, der mich fragte, ob er mir noch irgendwas verschreiben solle, ob ich etwas zum Schlafen bräuchte. Na wenn's danach geht: immer -.-
Die nächste Überraschung, als ich in's Zimmer komme: ich "darf" umziehen, von unserem 5-er Zimmer in ein Doppelzimmer zu einer 70+. Egal, wo ich dieser Tage hinkam, ich senkte den Altersdurchschnitt drastisch. Außerdem hatte ich seit Tagen einen eher unangenehmen running Gag mit einem Mitpatienten. Mag sein, dass ich paranoid bin - okay, ich bin paraniod - aber egal, wo ich hinging, er war ganz zufällig auch da. Ich hätte mich geschmeichelt gefühlt, wäre es jemand gewesen, der sich altersmäßig zwischen 19 und 29 bewegt hätte, aber ein Kerl Kathegorie 50+ ? Uääärgh...muss nicht sein.
Und meine Entdeckung des Tages: in der Caféteria des Krankenhauses gibt's Alkohol O_o

Dienstag, 15. Februar 2011:
Ich hatte mich schon am Vortag etwas gewundert, warum es etwas an der Austrittsstelle des Katheters zieht, bis ich bemerkte, dass die Schlaufe, die wir sicherheitshalber immer kleben, sich aufgelöst hatte, sodass ich im Prinzip jede Bewegung des Schlauches fühlte. Also war ganz klar ein Pflasterwechsel angesagt. Problem an der Sache war nur, dass auf Stationen für Erwachsene nicht alle Tage ein Hickman-Katheter daherkommt, sodass ich das Personal anleiten durfte.
Ach, erwähnte ich eigentlichs chon, dass ich ständig am Kloputzen war? Ich hätte wirklich Geld dafür verlangen sollen. Es gab für uns nur ein Gemeinschaftsklo und somit musste ich mir die Toilette mit teilweise senilen (nicht böse gemeint) und/oder rücksichtslosen Omis teilen, die Flecken hinterließen, von denen ich lieber nicht wissen will, was genau das ist. Glücklicherweise gab es dort eine große Flasche Desinfektionsmittel, das in diesen Tagen mein bester Freund wurde.

Mitwoch, 16. Fabruar 2011:
Verbandswechsel beim Prof *yay*, denn er kümmert sich. Insgeheim hatte ich immernoch die Hoffnung, die blöde Drainage loszuwerden, das konnte ich mir aber ziemlich schnell wieder abschminken. Bis Montag sollte die noch drinbleiben.
Beim Pflasterabziehen war er echt nicht zimperlich... ich aber. Ich erklärte ihm, dass ich ein Weichei bin und er war so gütig, Benzin zum Pflasterlösen zu nehmen. Ich wäre trotzdem beinahe vom Behandlungstisch gekippt, denn die durchsichtigen Pflaster, die direkt auf den Nähten klebten, fanden das Benzin nicht so beeindruckend wie die normalen Stoffpflaster. Als alles ab war, sollte ich mich aufsetzen und er begutachtete das Ergebnis. Ich sollte es ihm gleichtun, musste aber kneifen, weil ich's nicht so mit Wunden usw. habe. Ehrlich, ich habe kein Problem damit, mich aufschneiden zu lassen, aber wenn's um's Fädenziehen oder um frische Wunden geht... zum Glück hatte er resorbierbares Nahtmaterial genommen, sodass ich einfach nur warten muss, bis sich der Faden von selbst aufgelöst hat.
Nun darf ich Tag und Nacht immerzu einen BH tragen. Sechs Wochen lang, damit dich nichts verwächst und die Form schön bleibt. Mädels, ihr wisst wovon ich spreche, Jungs: tagsüber sind BHs unsere besten Freunde, nachts allerdings sind sie so überflüssig wie ein Sandkasten in der Wüste. Außerdem werden alle Schläuche immer so gelegt, dass der BH-Bügel auf die Austrittsstelle drückt; das ist beim Katheter so und leider Gottes auch beim Drainageschlauch - tut ja nur mir weh, kein Ding, liebe Chirurgen...

Kommentare:

  1. Guten Abend,
    ich glaube, dass das ständige Kranksein auch den stärksten Menschen, und dazu zähle ich Dich, empfindlich und sensibel macht!
    Wieviel Mut und Tapferkeit gehört doch dazu, dieses alles durchzustehen.
    Liebe Grüße
    C.

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  2. mir gefällt deine kritisch distanzierte Einordnung deiner Mitmenschen echt gut, das hat sowas Analytisches, wenigstens kriegst du während dieser beschissenen Zeit enorm Menschenkenntnis..Grüße und viel Glück

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  3. oha endlich kann ich dir ein kommentar schreiben... das internet im kh hat das irgendwie nicht zugelassen o.O...?! (wurde heute endlich entlassen:)
    ich bin auch so ein fan von nakose zeug bzw von beruhigungsmitteln^^ irgendwas gutes muss das ganze schlafen-gelegt-werden ja haben...!
    ich hab ja mittlerweile den verdacht, das mein körper mir sagen will, das blau meine farbe ist :)
    liebe grüße dexa

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  4. Hallo Eda,
    laß mal von Dir hören.
    Wie geht es Dir?
    Liebe Grüße
    C.

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  5. hey, ich wollte dir nurmal sagen, dass ich deinen blog echt cool und lustig finde (die krankheit ist nicht lustig, aber deine schreibweise ist super)und ich find es gut, dass du über deine erlebnisse schreibst. weiter so, bin begeistert :)
    liebe grüße :))

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  6. Liebste Eda,
    ich habe heute zufällig eines deiner Videos auf YouTube gefunden und mir all deine Vlog's angeschaut. Ich bin gerührt und zugleich echt beeindruckt mit welch einer Stärke und Härte du kämpfst.
    Ich hoffe du gewinnst & lass wieder von dir hören!
    Viel Glück - Steffi

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  7. Salve Eda,
    ich verfolge deinen Blog immernoch regelmäßig. Ich ärger mich wirklich sehr, dich nicht besuchen zu können...nehme ich mir ja schon seit dem letzten Sommer vor. Ich bin nur sehr sehr selten noch in Demmin. Wenn das Abi durch ist, dann ist mehr Zeit!
    Bis dahin, sei weiterhin so stark! Ich bewundere dich
    Liebste Grüße
    Vicy

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